Dann denkt mit dem Herzen

17.04.2016

Liebe Freunde,
dieses Buch ist eine Streitschrift, aber kein politisches Pamphlet. Es ruft zur Herzlichkeit auf, einer Herzlichkeit, die nicht erst eine Ideologie oder die so genannte realpolitische Vernunft befragen muss, bevor sie zur Tat wird. So wichtig eine realistische Lebenseinstellung sein mag, sie darf nicht zum Käfig werden, in den wir unsere unmittelbaren Impulse, Menschen zu verstehen, zu schützen und zu helfen, einsperren lassen. Liebevolles Sprechen und Handeln muss sich ungestört von der Vorzensur vernünftelnder Machbarkeitserwägungen entfalten können. 
Täglich vernehmen wir die Stimmen der „Vernünftigen“: die Obergrenze sei erreicht, die Zuwanderung müsse gestoppt werden, die Willkommenskultur sei höchst umstritten und Mitgefühl sei Schwäche. Milliarden Menschen wird ein lebenswertes Leben vorenthalten von einer kleinen Minderheit von Superreichen – und die Stimme der „Vernünftigen“ erklärt das zum Naturgesetz. Wenn das Vernunft sein soll, wird es zunehmend wichtig, die Stimme der „Unvernunft“ zu Wort kommen zu lassen, die Stimme des Herzens, damit diese nicht für immer verlorengeht.
Vielleicht kann dieses Büchlein helfen, jene zu stärken, die den Impuls zum menschlichen Handeln in sich spüren und die sich manchmal hilflos-traurig fühlen, angesichts der Erosion scheinbar selbstverständlicher Werte überall in ihrem Umfeld. Wenn dann feige Nazibanden Unterkünfte brandschatzen, wird es immer genügend von uns geben, um uns ihnen entschlossen entgegenzustellen: „Nicht in unserem Namen! Eure Zeit ist vorbei und eure Ideologie gehört auf die Müllhalde der Geschichte.“
Das Wunder des vergangenen Jahres war und bleibt für mich die Willkommenskultur: Millionen Menschen öffneten ihr Herz und halfen den Notleidenden, den Geflüchteten. Zwar habe ich trotzig manchmal beschworen, ich würde auch weiterkämpfen, wenn ich mit meiner Meinung ganz allein stünde. Aber es ist doch weitaus schöner, sich getragen zu fühlen von vielen ähnlich Gesinnten. Und die finden sich nicht nur im linken Spektrum. Unter den Helferinnen und Helfern sind Bürgerliche wie Arbeiter, Christen wie Atheisten, Prekäre wie Situierte, Hausmänner wie Straßenkehrerinnen… Ich bin nicht allein, das ist mein Trost. Danke, dieses Buch ist auch für Euch alle. Mag Pegida noch so zetern und hetzen – wir lassen uns von Rassisten nicht die Welt verdunkeln.

 
Konstantin Weckers Foto.

 

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