Samstag, den 12. April 2003

12.04.2003

Auf Wunsch von Konstantin, der zur Zeit unterwegs ist, findet sich hier seine Stellungnahme aus der Leipziger Volkszeitung vom Vortag.
Alexander Kinsky

"Dieser Sieg ist der Auftakt für weitere Kriege"

Ein Sieg legitimiert keinen Krieg. Kommentatoren lassen sich sogar dazu hinreißen, den Krieg als einen Erfolg zu feiern. Ich halte es für obszön, die Worte Krieg und Erfolg in einem Atemzug zu nennen. Kriege sind immer ein Misserfolg und ein Scheitern von dem, was uns als Menschen aus macht.

Unabhängig davon, dass ich auch hier, wie bereits im Krieg gegen Afghanistan, den Bildern misstraue, ist es kein Wunder und es erfüllt auch mich mit Freude, dass die Menschen jubeln, wenn keine Bomben mehr auf Bagdad fallen und sie den verhassten Diktator endlich stürzen sehen, den ja die USA und andere westliche Staaten erst groß gemacht haben. Aber jubeln auch die, deren Kinder durch Bomben verstümmelt wurden? Es wird sich zeigen, ob dieser Jubel den Streitkräften gilt oder nicht einfach dem Ende dieses erbarmungslosen Angriffskrieges.

Mit diesem Sieg soll wieder einmal die Lüge legitimiert werden, es ginge um "Freiheit und Demokratie". Noch nie ging es den US-Regierungen in den Kriegen der letzten fünf Jahrzehnte um Demokratie. In vielen Teilen der Welt haben Agenten der US-Regierung vom Volk gewählte Politiker abgesetzt und durch Marionetten ersetzt, die bereit sind, ihr eigenes Volk an nordamerikanische Multis zu verkaufen. Und nun scheint die westliche Welt gerüstet für weiteres Morden.

Sind die Bilder der getöteten und verstümmelten Kinder vergessen? Wurden sie unter der hollywoodmäßigen Inszenierung des Statuen-Sturzes begraben? Wer gibt in unseren Medien jetzt denen ein Forum, die den Besatzern "Ami-go-home"-Schilder entgegenhalten? Wer spricht jetzt noch von den Gebäuden, die nur deshalb dem Erdboden gleichgemacht werden, weil beim Wiederaufbau Geld verdient werden soll? Wie schützen sich jetzt die Länder, die als nächstes zu "Freiheit und Demokratie" gebombt werden sollen? Wird sie nicht das Beispiel von Nordkorea und Pakistan ermutigen, sich so schnell wie möglich mit Atombomben einzudecken?

Dieser Sieg darf uns nicht all die heimtückischen Motive der Waffenund Öllobby vergessen lassen, die unter dem Deckmantel der Befreiung ihre Kriege rechtfertigen. Dieser Sieg darf uns nicht vergessen lassen, dass wir für unseren Wohlstand schon lange einen 3. Weltkrieg gegen die Länder im Süden führen. Und, dass es Frieden erst geben wird, wenn wir lernen, gerechter zu teilen.

Dieser Sieg darf uns nicht vergessen lassen, dass die Kriege der letzten Jahrzehnte fast ausschließlich Kriege von Weißen gegen Menschen der Dritten Welt waren. Und dass man erst den eigenen Fundamentalismus und Rassismus in den Griff bekommen sollte, bevor man sich daran macht, andere davon zu befreien.

So sehr ich mich darüber freue, wenn der Bombenhagel endlich aufhören wird, fürchte ich, dass dieser Sieg der Auftakt für weitere Kriege und einen gigantischen Rüstungswettlauf auch zwischen USA und Europa sein wird. Deshalb muss die Friedensbewegung jetzt weitermachen. Frieden wird es erst geben, wenn der Krieg besiegt sein wird.

zurück