Dienstag, der 16. Dezember 2003

16.12.2003

Liebe Freunde

Heute möchte ich euch einfach nur danken für die vielen Briefe und Mails die ich während meiner Solotour erhalten habe. Es ist wunderbar, dass ich euch mit meinen Liedern soviel Freude und Mut machen kann. Ich wünsche euch ein friedliches Weihnachten und hoffe, dass wir alle im neuen Jahr stark genug bleiben, uns weiter gegen die Militarisierung und den neoliberalen Ausverkauf zur Wehr zu setzen. "Gegen den ausgerufenen permanenten Krieg ist permanente Opposition notwendig", schreibt Tobias Pflüger in seinem Buch "Globalisierung und Krieg" (attacBasisTexte 5, ISBN 3-89965-004-2). Trotzdem sollten wir aber, vielleicht gerade in diesen Weihnachtstagen, die ja eigentlich zur Besinnung auffordern müssten, nicht vergessen, uns immer wieder auch auf unsere eigenen Ungereimtheiten zu besinnen.

"Wir menschlichen Wesen befinden uns dauernd im Krieg, um der Tatsache zu entfliehen, dass wir so begrenzt sind - eingeschränkt durch Umstände, die wir nicht unter Kontrolle haben. Doch anstatt ihnen zu entkommen, erzeugen wir ständig nur Leiden. Wir führen Krieg gegen das Böse, wir führen Krieg gegen das was zu klein ist und gegen das was zu groß ist, wir führen Krieg gegen das was zu kurz oder zu lang ist, was richtig oder falsch ist, wir kämpfen tapfer und besinnungslos immer weiter und weiter..."

Das schrieb Achaan Chah, der Lehrer Jack Kornfields, und diese Sätze erinnern mich immer wieder daran, wie wichtig es ist, inne zu halten und den eigenen "heiligen Zorn" in Frage zu stellen.

Es ist unmöglich, als Krieger den Krieg zu bekämpfen.

Wie aber dann?

Als der Historiker Marc Ferro bei ARTE dem Statistiker und Demografen Albert Jacqard die Frage stellte, was denn geschehen müsse, damit es weniger blutige Auseinandersetzungen gäbe auf der Welt, antwortete er, zur Verhütung von Kriegen müsse die Wettbewerbsmentalität verschwinden. Und auf die Frage von Marc Ferro: "Aber wie?" antwortete der Wissenschaftler: "Es gibt nur eine Lösung: die Liebe!"

"Die Sendezeit ist abgelaufen. Der Gastgeber kann seine Überraschung im Abspann verschwinden lassen", schrieb Lydia Stephan im "Freitag" vor vielen Monaten.

Vielleicht ließ der Gastgeber auch ein überlegenes Lächeln im Abspann verschwinden, so wie die meisten überheblich lächeln, wenn man die Liebe ins Spiel bringt.

Aber - Hand aufs Herz - gibt es denn eine andere Lösung?

 

Wieder im Leben

Wieder im Leben
wieder dabei
Jahre des Wandels,
der Einsiedelei.

Stürme und Flauten.
Nur eines ist klar:
Alles ist anders.
Und doch wie es war.

Seltsamer Handel.
Was drängt dich zum Sein?
Leidvoll die Lüste.
Meistens allein.

Irgendwas hält dich.
Doch es tut weh:
Dieses werde und stirb.
Dieses blüh und vergeh.

Trotzdem, ein Windhauch
Genügt zu verstehn
Bäume im Nebel
Verzauberte Seen

Zärtliche Worte
Du fühlst dich vereint
Aber wann bist schon
du gemeint?


War das der Gott
Der in dir spricht
Lohn aller Zweifel
Lohn für Verzicht?


Trotzdem: Du hältst dich
Vom Atmen verführt
Hast manchmal wirklich
Dasein gespürt

Wieder im Leben
Noch ist nicht genug
Bring es zu Ende
Leere den Krug

In diesem Sinne
Alles erdenklich Liebe
Euer Konstantin

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