Dienstag, den 7. Mai 2002

07.05.2002

Hermann Hesse:

Ich habe den Krieg 1914 - 18 so intensiv und bis nahe zur persönlichen Vernichtung erlebt, dass ich seither über eines vollkommen und unerschütterlich im klaren bin: dass ich, für meine Person, jede Änderung der Welt durch Gewalt ablehne und nicht unterstütze, auch nicht die sozialistische, auch nicht die scheinbar erwünschte und gerechte. Es werden immer die Falschen totgeschlagen, und auch wenn es die Rechten wären: an die bessernde und entsühnende Kraft des Totschlagens glaube ich nun einmal nicht, und sehe in der Zuspitzung der Parteikämpfe zum Bürgerkrieg zwar wohl die Kraft des Entschlusses, die moralische Spannung des "entweder - oder", aber ich lehne die Gewalt ab...

Darum ist uns irrenden Brüdern
Liebe möglich noch in der Entzweiung,
und nicht Richten und Hass,
sondern geduldige Liebe,
liebendes Dulden führt
uns dem heiligen Ziel näher.

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