Dienstag, den 11.9.2001

11.09.2001

Ist es nicht entsetzlich, was Nationalismus und Fanatismus anrichten?
Wie verblendet und von Hass verbrannt muss man sein, um sich zum Massenmord berechtigt zu fühlen? Zum heiligen Krieg?
Mein ganzes Mitgefühl gilt natürlich den Amerikanern:
Den Verletzten, den Verwandten und Freunden der Toten, den Kindern und Müttern und Vätern, all denen, denen der heutige Tag das Leben zerstört hat. Wie viele Kinder warten heute vergebens auf ihre Mütter und Väter?
Uns erschüttern diese Bilder auch deshalb so , weil es ein Anschlag auf unsere "zivilisierte", westliche Wohlstandsgesellschaft ist.
Aber ich denke, gerade in solchen tragischen Momenten, sollten wir auch der 80 000 Menschen gedenken , die täglich verhungern.
In Gegenden die weit weg sind.
Am Rande sich rasant ausbreitender Wüsten.
Denen keine Sondersendungen gewidmet werden.
Viele Kinder, Mütter, Väter, Freunde, Verwandte....
Anstatt jetzt nach Rache zu schreien und mit Hass zu reagieren, sollte uns diese Schreckenstat daran gemahnen, endlich etwas abzugeben von dem Zuviel, das wir besitzen.
Als ich vor vielen Jahren in Lima für das Goetheinstitut gastierte, wohnte ich bei dem Leiter des Instituts in einem von einer Privatarmee bewachten Wohnblock. Die Wohnung war nochmals abgesichert mit Panzertüren, und im Schlafzimmer lagen zwei geladene Maschinenpistolen.
Der Hausmeister raunte mir zu, wenn die herrschenden Familien nur ein paar Prozent abgeben würden von ihrem Reichtum, dann wären sie immer noch reich genug, aber sie müssten nicht mehr so panische Angst haben vor den Armen und Hungernden.
Steuern wir nicht weltweit genau auf diese Situation zu?

Ich hoffe, dass man jetzt nicht wieder einzig die "harte Mann" Reaktion als Antwort hat. Das würde die Spirale der Gewalt nur weiter drehen.
Solch eine Zeit der Trauer sollte auch eine Zeit der Besinnung sein.
Für uns alle.

Nachtrag (23Uhr43)
Gerade habe ich in einem ausgezeichneten Kommentar des Kölner Stadtanzeiger von der Notwendigkeit gelesen, die Prinzipien der Menschlichkeit auch dann nicht aufzugeben, wenn sie mit Füßen getreten werden.
Was monatelang in Ruanda und Burundi geschah ist nicht minder schändlich für die Menschheit, nur ist es weiter entfernt von unserem Lebensnerv, der gestern haargenau getroffen wurde.

In der Tat ist im Chaos der nur zu verständlichen Emotionen von Bush nun ein fast übermenschliches Maß an Beherrschung verlangt.
Sonst könnte die Apokalypse von New York und Washington zu einem Inferno für die Welt werden.

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