Der gute Wille

26.12.2015

Liebe Freunde,
wir alle haben sowohl ein Recht auf Gastfreundschaft als auch die Pflicht, Gastfreundschaft zu gewähren. Immanuel Kant (1724-1804) erkannte deutlich die Überschneidung von Rechten und Pflichten und der Gastfreundschaft für die Schaffung dessen, was er den „Ewigen Frieden“ nannte (Zum ewigen Frieden, 1795). Kant war seiner Zeit voraus, als er eine Weltrepublik oder einen Völkerstaat entwarf, der auf dem Weltbürgerrecht aufbaut. Die vordringliche Aufgabe, so Kant, ist die „allgemeine Hospitalität“ (§ 357).
Leonardo Boff, der Mitbegründer der Lateinamerikanischen Befreiungstheologie, erinnert an den auch im Weihnachtsevangelium hochgehaltenen Wert der Gastfreundschaft. Von Abschreckung der Gäste, damit nicht so viele kommen, war nicht die Rede. Boff bleibt aber nicht in der christlichen Bildsprache, sondern beruft sich auch auf Immanuel Kant:
"Dennoch war Kant es, der ihr das beste Fundament verlieh. Für ihn besteht die Grundlage aus dem guten Willen, der für ihn die einzige makellose Tugend darstellt. In seinem Buch Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785) stellt Kant etwas sehr Wichtiges fest: „Man kann sich nichts innerhalb oder auch außerhalb der Welt vorstellen, das ohne Vorbehalt so gut sein kann wie der gute Wille.“ Um diese schwierige Ausdrucksweise in heutige Sprache zu übersetzen: Der gute Wille ist das einzig Gute, das in sich selbst gut und das unbeschränkt ist. Der gute Wille ist gut, oder es ist eben nicht guter Wille. Erscheint der gute Wille suspekt, so ist er nicht gut. Guter Wille setzt eine Öffnung für den anderen und bedingungsloses Vertrauen voraus. Dies ist für Menschen machbar. Wenn wir mit dem guten Willen nicht ernst machen, werden wir keinen Weg aus der verzweifelten Sozialkrise finden, die ganze Gesellschaften an den Rändern der Erde zerreißt und die für die Millionen von Flüchtlingen verantwortlich ist, die sich auf den Weg nach Europa begeben haben.
Der gute Wille ist das letzte zur Verfügung stehende Rettungsboot. Die Situation der Welt ist ein Desaster. Wir leben in einem permanenten Zustand der Besetzung oder eines globalen Bürgerkriegs. Niemand, nicht einmal die beiden heiligen Männer Papst Franziskus und der Dalai Lama, nicht die intellektuellen oder moralischen Eliten, noch die Techno-Science haben einen weltweit gültigen Ausweg parat. In Wirklichkeit sind wir einzig auf unseren guten Willen angewiesen. 
An dieser Stelle sollten wir uns daran erinnern, was Dostojewski 1877 in seiner fantastischen Kurzgeschichte „Der Traum eines lächerlichen Menschen“ schrieb: „Wenn es alle wirklich wollten, würde sich die Erde innerhalb von einem Augenblick verwandeln.“

Es ist dieser gute Wille, die Idee, die Vision, die notwendig ist um die Welt zu verändern. Und viele werden jetzt sagen: Ja, der gute Wille allein hilft doch auch nichts. Aber ich glaube daran, dass was wirklich und von vielen gewollt wird, auch in die Tat umgesetzt werden wird.
Genau das fehlt nämlich unserer vom Markt geknebelter oft völlig hilflosen Politik: der gute Wille!

Den vollständigen Beitrag findet ihr auf „Hinter-den-Schlagzeilen“.
http://hinter-den-schlagzeilen.de/…/leonardo-boff-gastfreun…

 

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