Lassen wir uns nicht entmutigen!

19.06.2018

Liebe Freunde,

Gestern bekam ich – neben den üblichen Beschimpfungen – eine Mail als Antwort auf meinen Beitrag in der TV-Sendung „Schlachthof“ mit Christian Springer und Michael Altinger.

Die Überschrift lautete: „Leider erschreckte mich gestern Ihre Äußerung über die ‚Asylantendebatte’“!

Sie hätte auch lauten können: „Ich bin kein Nazi, aber das wird man dann doch nochmal sagen können…“

Ich zitiere buchstabengetreu:

„Bevor Sie sich so stark machen für die Asylanten, sollten Sie vielleicht auch an das eigene Volk denken!

An erster Stelle habe ich Mitgefühl, für die Hinterbliebenen der Ermordeten, für die Frauen die vergewaltigt wurden; die Opfer durch Raub und Überfall, usw.

Außerdem habe ich Mitgefühl, für die armen Rentner, die Pfandflaschen sammeln müssen, um überhaupt überleben zu können.

Ein Asylant erhält genauso viel Sozialhilfe, wie ein Deutscher der hier immer gearbeitet hat. Im Gegenteil, die Asylanten schicken ihr Geld in die Heimat und gehen dann zur Tafeln. Hierdurch wird es unseren Leuten wieder erschwert noch würdevoll zu leben.

Die ‚Fachkräfte‘ wie von Frau Merkel immer betont, kosten uns jährlich mehr als 20 Milliarden Euro. Den armen Bürgern wirft man dann Neid und Missgunst vor. Bürger, die dies anprangern werden ins Rechte Eck geschoben.

Außerdem verstehe ich nicht, wie Sie davon ausgehen können, dass Ihre Meinung als Gutmensch die richtige wäre. Warum werden Bürger, die unsere monentane Situation anprangern verteufelt. Auch ich bin hilfbereit, ich sorge mich um meine Kinder, Familie, Freunde und Bekannte. Meine Führsorge gilt meinem Volk!

Wenn ich als Privatperson Gäste habe, die meine Vorgaben nicht akzeptieren, werfe ich diese raus. Warum werden aber die Asylanten in Schutz genommen, obwohl diese keinen Anstand haben. Unsere Mitbürger die Opfer durch die Asylanten wurden, werden leider bei den ‚Gutmenschen‘ übersehen.“

Was ist nur geschehen seit jener großartigen Bürgerbewegung der „Willkommenskultur“, die uns hoffen ließ, dass der Neoliberalismus doch nicht den letzten Rest von Mitgefühl aus den Herzen der Menschen verjagt hat? Ein eigentlich völlig selbstverständliches Mitgefühl für gejagte, verfolgte, hungernde, gepeinigte, verletzte Menschen, das nur psychisch völlig verrohten und gestörten Wesen nicht zu eigen ist. Und natürlich ideologisch Verblendeten, die ihr ach so gut durchdachtes starres Weltbild scheinbar aus freiem Willen wie eine Zwangsjacke über alles Lebendige ziehen.

Gewissenlose Potentaten, die schnell die Chance erkannten, ihre bröckelnde Machtposition wieder zu festigen, schlugen erbarmungslos zu: mit Parolen und Fake News, mit vorgeschobener Bürgernähe und fahnenschwenkendem Unsinn. Sie wussten wohl, was für Ängste in den von einem gnadenlosen Kapitalismus verunsicherten BürgerInnen lauerten und weckten den Leu, der in allen Verängstigten lauert: Denn wer seine Identität nicht in seinem tiefsten Selbst wahrnehmen kann, sucht sich Identität bei „Identitären“. In etwas „Größerem“,“Hehren“ – in Volk, Nation und Vaterland.

Wir waren auf einem guten Weg, diesen gefährlichenja tödlichen Wahn zu besiegen. Wir haben’s versaut.

Gaulands„Vogelschiss“ ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, das schon vorher bis zum Rand gefüllt war mit Herzlosigkeit und Verharmlosung der Nazi-Diktatur. Es wird Zeit, dass wir dafür sorgen, dass die braune Brühe nicht noch weitere Landstriche überschwemmt.

Vielleicht erscheint der Widerstand vielen sinnlos. Und mancher mag sich sagen: „was kann ich denn schon tun, alleine, ohne Gleichgesinnte?“

Denen gilt es nun Mut zu machen, denn die mit dem Herzen denken sind – und da bin ich mir sicher – immer noch in der Überzahl. Aber schrecklich verunsichert und vor allem: nicht annähernd so lautstark.

Nach wie vor glaube ich, dass eine spirituelle Revolution am Wachsen ist, und mir kommt dieses ganze Machogehabe verunsicherter Männlein wie Trump, Erdogan, Kim, Orban, Gauland, Strache, Söder und wie sie alle heißen mögen wie das – hoffentlich! – letzte große, fast verzweifelte Aufbäumen des Patriarchats vor.

Lassen wir uns von ihnen nicht ins Bockshorn jagen. Lassen wir uns nicht verführen von den sogenannten „Führern“.

Widerstehen wir mit all dem, was uns als menschlichen Wesen gegeben ist an Mitgefühl und Verstand, Poesie und Zärtlichkeit!

Der Text der Frau, die mich angeschrieben hat, ist meines Erachtens deshalb so interessant, weil er geradezu ein Prototyp ist für all die Lügen, mit denen wir seit zwei Jahren indoktriniert werde:

„Die Asylanten schicken ihr Geld in die Heimat und gehen dann zur Tafeln“. Asylanten, die in Schutz genommen werden, „obwohl sie keinen Anstand haben“ und was da noch alles an Klischees zum Vorschein kommt.

Und dann der Klassiker: die Erzürnte beschwert sich, ins „rechte Eck geschoben zu werden“.

Nun frage ich mich allerdings – und ich will mich bestimmt nicht erheben über mangelnde Rechtschreibkenntnisse, aber in diesem Fall ist es zu offensichtlich: Hat vielleicht doch der „Führer“ aus einer verstaubten Ecke ihres Hirnarchivs hineingefunkt, wenn sie schreibt:

„Meine Führsorge gilt meinem Volk“?

Lassen wir uns nicht entmutigen! Deutschland weint, wenn Mexiko im Fußball gewinnt und schaut weg, wenn 600 Flüchtende im Meer ausharren und Italien die Häfen dicht macht.

Danke den Spaniern und den 2.320 Helfern, die am Hafen von Valencia bereitstanden, um die Menschen aufzunehmen.

Jeder einzelne von ihnen ist wertvoller für eine menschliche Gesellschaft als Ihr unmenschliches Taktieren, Herr Seehofer!

 

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