Im Gedenken an Werner Schneyder

04.03.2019

Liebe Freunde,

mein Freund Werner Schneyder ist plötzlich und völlig unerwartet von uns gegangen.
Was für ein Verlust!

Mit diesem klugen, mutigen, wortgewaltigen und scharfzüngigen Autor verband mich eine jahrzehntelange Freundschaft.

In meiner Biografie habe ich über unsere jahrzehntelange Freundschaft geschrieben, über unsere prallen Egos, über Deine Lyrik und Deine Jacques Brel-Nachdichtungen, über unsere Liebe zu Puccini und zur italienischen Oper.

Unvergessen ein weinseliger Abend in der Toskana, in dem wir zornig stritten, um uns dann am Höhepunkt der Eskalation – beide gleichzeitig aufspringend – gegenseitig anbrüllend die Frage zu stellen, wer denn nun demütiger sei. „Du hast ja nun überhaupt keine Ahnung von Demut!“ – „Ah ja, aber du willst eine Ahnung davon haben?“ Das Ganze war so grotesk, dass wir noch mitten im Streit plötzlich vor Lachen losbrüllten und uns dann in den Armen lagen.

Und seither lagen wir uns oft in den Armen!

Werner, du wirst mir sehr fehlen.

Dein unbestechlicher Witz, dein enzyklopädisches Wissen, dein Engagement für sozial Benachteiligte – und all die wunderschönen Abendessen mit dir.

Mit dir konnte man lachen und streiten, weinen und singen und das alles zugleich.

Ein paar für mich unvergessliche Marksteine unserer künstlerischen Zusammenarbeit:

Deine Sendung „Meine Gäste und ich“ im März 1984, in der Heidelinde Weis, Ottfried Fischer, du und ich erstmals meine „Statistisch erwiesen“-Vertonung vorgetragen haben. (Ich hab die Vertonung dann vergessen und das Lied im neuen Jahrtausend, wie ich dachte, neu vertont – es kam aber verblüffender Weise genau die Melodie von damals raus.)

Deine Auftritte mit deinem klugen Chanson- und Kabarettprogramm in meinem Kaffee Giesing.

Deine Reihe „Spott-Theater“, in der ich im November 1985 im Linzer Brucknerhaus auftreten durfte.

Und dann natürlich (neben den Scheibenwischern usw.) unsere gemeinsamen Veranstaltungen zusammen mit Dieter Hildebrandt, im Oktober 1988 in Zürich oder im März 1994 in Linz…

Das Geburtstagskonzert zu deinem 60er im Januar 1997 im Brucknerhaus.

Und gerne haben wir uns gegenseitig laudatiert, wenn es wieder mal anstand.

Unser gemeinsames Programm, das wir im Oktober 2014 in Geretsried vorgestellt haben, wollten wir noch für eine Tournee verfeinern, leider kam es nicht mehr dazu.

Ich danke dir für viele wunderbare Liedtexte und vor allem für deinen grandiosen Text vom „Joe“, ein Lied das ich dir zu Ehren wieder ins Programm aufnehmen werde.

Zusammen haben wir fürs Theater Trier „Die Stadt wird kalt“ und für den letzten Scheibenwischer mit Dieter Hildebrandt „Unsre Feinde singen unsre Lieder“ geschrieben, du den Text, ich die Musik.

Lieber Werner, du bist für mich einer der großen deutschsprachigen Lyriker, mit Reimen von vollendeter Zartheit, und deine Jacques Brel-Nachdichtungen sind schlichtweg unerreicht.

Außerdem eint uns beide ja für immer die große Liebe zu Puccini und der italienischen Oper. Nie werde ich einen Abend in der Lach- und Schieß vergessen – ich glaube es war nach dem herausragenden Programm mit Dieter, „Schlafen Sie gut, Herr Tucholsky“ – als Werner mitten im Gespräch mit gewohnt lauter Stimme rief: „Wer noch nie bei Puccini geweint hat, ist ein Arschloch!“

Alle im Raum erstarrten und ich prustete begeistert los. Allein für diesen Satz muss man den großen und aufrechten, stets streitbaren Mann schon lieben.

Und lieber Werner, auch das muss jetzt schon noch einmal betont werden, ich bleibe dabei: Jussi Björling ist der größte Tenor, und wenn Du noch so oft mit Giuseppe di Stefano daherkommst.

Mein Großer - sei ein letztes Mal umarmt von mir. Du wirst im Jenseits – da bin ich mir sicher – für einen frischen und erfrischenden Wind sorgen.

Dein Konstantin

Nur Höllen formen einen so.
Die Zeit ist leider ewig weg.
Gelernt hab' ich nur tief im Dreck,
denn damals war ich noch der Joe.

https://www.youtube.com/watch?v=8kJICahY1tA

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